Südafrika als Partner für die Produktion in der Pharmaindustrie
Die globale Pharmaproduktion befindet sich im Wandel. Regierungen und Unternehmen setzen zunehmend auf diversifizierte Lieferketten und regionale Produktionskapazitäten. Südafrika hat sich dabei als führender Standort für die Entwicklung einer wettbewerbsfähigen Pharmaindustrie auf dem afrikanischen Kontinent etabliert. Für deutsche Unternehmen eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten für Technologiepartnerschaften, Investitionen und den Aufbau resilienter Wertschöpfungsketten.
Mit einem geschätzten Markt von rund 5,9 Mrd. USD-Dollar im Jahr 2024, ist Südafrika der größte Pharmamarkt in Subsahara-Afrika; allein der Markt für verschreibungspflichtige Arzneimittel belief sich auf rund 5,9 Mrd. US-Dollar, davon etwa 2,8 Mrd. US-Dollar für Generika. Gleichzeitig verfügt das Land über etablierte Forschungs-, Produktions- und Regulierungskapazitäten. Besonders deutlich zeigt sich dies am WHO-mRNA-Technologietransferprogramm: Der in Kapstadt angesiedelte Hub mit Afrigen, Biovac und dem South African Medical Research Council bildet das Zentrum eines internationalen Netzwerks von mittlerweile 15 Partnern in sechs WHO-Regionen und überträgt Know-how und Technologien für die Entwicklung und Herstellung von mRNA-basierten Gesundheitsprodukten.
Erfolgreiche Technologietransfers setzen ein leistungsfähiges und gut aufgestelltes Ökosystem voraus. Südafrika bringt hierfür bereits wichtige Voraussetzungen mit: Das Land verfügt über etablierte pharmazeutische Produktionsstandorte und Forschungsinfrastruktur, qualifizierte Fachkräfte sowie eine international anerkannte wissenschaftliche Basis. Mit der South African Healh Products Regulatory Authority (SAHPRA) besteht zudem eine etablierte Arzneimittelbehörde, während Unternehmen wie Biovac und Afrigen Biologics bereits über Erfahrungen in der Impfstoff- und Biopharmaentwicklung und –produktion verfügen. Ergänzt wird dieses Umfeld durch Universitäten und Forschungseinrichtungen wie die Stellenbosch University sowie ein Netzwerk aus spezialisierten Zulieferern, Technologiepartnern und Finanzierungseinrichtungen. Damit bestehen bereits wesentliche Bausteine für die Entwicklung, Zulassung und lokale Herstellung innovativer pharmazeutischer Produkte.
Hier setzt das BMZ- und EU-kofinanzierte und von der GIZ umgesetzte Programm SAVax – Vaccines for Africa: Roll-out and Production in South Africa an. Durch die aktive Umsetzung vor Ort und ein breites Netzwerk entlang der südafrikanischen Pharma-Wertschöpfungskette schafft SAVax konkrete Anknüpfungspunkte für deutsche und europäische Unternehmen und eröffnet Zugang zu potenziellen Partnern, Kooperationsprojekten und Investitionsmöglichkeiten. Ein konkretes Beispiel ist die Zusammenarbeit mit Fluorobiotech und Biofundry, die Produktions- und Qualitätssysteme für Impfstoff-relevante Enzyme weiterentwickeln und diese für Anwendungen wie die Herstellung von mRNA-Impfstoffen und Proteinsynthese zu produzieren – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu GMP-konformer und skalierbarer lokaler Produktion.
Als Enabler im Ökosystem arbeitet SAVax eng mit dem südafrikanischen Gesundheitsministerium, dem Department of Science, Technology and Innovation (DSTI) und der Regulierungsbehörde SAHPRA zusammen. Mit ihrem WHO-Maturity-Level 3 (ML3) zählt SAHPRA zu den führenden Impfstoffregulierungsbehörden Afrikas und stärkt damit Südafrikas Rolle als regulatorischer Vorreiter auf dem Kontinent. Dieses Umfeld schafft wichtige Voraussetzungen für internationale Kooperationen und den Aufbau lokaler Wertschöpfung.
Dass SAVax dabei als neutrale Plattform für den sektorübergreifenden Austausch wirkt, zeigte zuletzt ein von SAVax organisierter Runder Tisch mit dem Privatsektor. Vertreterinnen und Vertreter internationaler Unternehmen diskutierten gemeinsam über Herausforderungen und Potenziale im südafrikanischen Kontext. Diese Dialogplattform verdeutlicht das Interesse an sektorübergreifenden Partnerschaftenzwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.
Für deutsche Unternehmen eröffnet der Ausbau lokaler Produktion in Südafrika konkrete Chancen für Kooperationen, Technologietransfers und Investitionen. Das Land verbindet dabei einen bedeutenden heimischen Pharmamarkt mit wachsenden Produktionskapazitäten und einer zunehmend integrierten lokalen Wertschöpfungskette. So soll die Erweiterung des Biovac-Standorts in Kapstadt die jährliche Produktionskapazität auf bis zu 500 Millionen Dosen steigern. Gleichzeitig profitieren südafrikanische Unternehmen vom Zugang zu deutscher Technologie, Prozess-Know-how und industrieller Expertise. So entstehen Partnerschaften, die weit über einzelne Projekte hinausreichen und langfristige Wertschöpfung auf beiden Seiten schaffen.
Die Zukunft der Pharmaproduktion wird international sein. Wer heute in Partnerschaften investiert, gestaltet die resilienten Lieferketten von morgen mit. Südafrika bietet dafür hervorragende Voraussetzungen – und SAVax unterstützt Unternehmen dabei, die richtigen Partner zu finden und Kooperationen erfolgreich auf den Weg zu bringen.
Sie suchen einen Einstieg in das südafrikanische Pharma-Ökosystem oder möchten Potenziale für Technologietransfer und industrielle Kooperationen ausloten? SAVax vernetzt die relevanten Akteure und begleitet den Aufbau zukunftsfähiger Partnerschaften zwischen Deutschland und Südafrika. Sie erreichen Claudia Aguirre, Programmleiterin von SAVax, unter claudia.aguirre@giz.de.
